Spezialgebiete der Klinik für Gefäßchirurgie

Spezialgebiete

Carotischirurgie
inkl. Therapie aller Aortenbogenabgänge sowie des Subclavian-Steal-Syndrom

Durch die operative oder interventionelle Beseitigung der Halsschlagaderenge (Carotisstenose) soll die Verschleppung von Blutgerinnseln in den Hirnkreislauf verhindert werden. Diese embolischen Verschlüsse des Hirnkreislaufes führen zu den unterschiedlich ausgeprägten neurologischen Symptomen. Neben einer kurzfristigen einseitigen Blindheit (Amaurosis fugax) können Sprachstörungen sowie sensible und motorische Ausfälle der Extremitäten resultieren bis hin zum manifesten Schlaganfall mit Halbseitenlähmung.

Eine Notfalloperation bei dieser akut einsetzenden Symptomatik kann den drohenden Schlaganfall vermeiden. Diese Art der Notfallversorgung beim Schlaganfall operativ ist aufgrund des sehr kurzen Zeitfensters extrem selten. Weniger als 1 % der weltweit durchgeführten Operationen an der Halsschlagader werden in dieser Notfallsituation durchgeführt.

Mit Ausnahme dieser seltenen Notfälle sind somit alle anderen Eingriffe planbar. Für die Therapieentscheidung essentiell ist die Frage, ob die Carotisstenose bereits zu neurologischen Symptomen geführt hat. Da sämtliche Hirnareale betroffen sein können, kann auch das Beschwerdebild sehr differieren. Eine fachneurologische Untersuchung ist insofern unerlässlich. Alle unsere Patienten werden von Mitarbeitern der Neurologischen Klinik der Evangelischen Stiftung Augusta unter Leitung von Herrn Dr. Poburski untersucht.

Die Therapienentscheidung bzw. Therapieempfehlung hängt von dem Risiko des einzelnen Patienten einen Schlaganfall zu erleiden ab. Aus weltweit durchgeführten großen Studien wissen wir, dass das Risiko einen Schlaganfall aufgrund einer Carotisstenose zu erleiden abhängt vom Ausmaß der Enge der Halsschlagader (Stenosegrad). Patienten, die eine neurologische Symptomatik erlitten hatten, profitieren ab einem Stenosegrad von 50 % nach NASCET von dem Eingriff. Bei Patienten ohne neurologische Symptome wird ein Eingriff erst bei einem Stenosegrad von 70 % empfohlen. Neben der neurologischen Fachuntersuchung ist also die Quantifizierung des Stenosegrades ganz entscheidend für eine Therapieempfehlung.

Sämtliche anerkannten Messverfahren (Ultraschall nach Degum-Kriterien, MR-Angiographie, digitale Subtraktionsangiographie und CT-Angiographie) unterliegen einer bestimmten Messungenauigkeit. Bei all diesen Verfahren wird der Durchmesser der Stenose in Relation zum gesunden Gefäß bestimmt. Es handelt sich hier aber um ein dreidimensionales System. Um dem Rechnung zu tragen, ist die genaueste Untersuchungsmöglichkeit die der Flächenreduktion im Bereich der Stenose. Mit diesem von uns mitentwickelten Verfahren, die Flächenreduktion im Ultraschall durch das Verhältnis von Flussgeschwindigkeiten vor und nach der Stenose zu bestimmen, gelingt uns eine sehr exakte Quantifizierung des Stenosegrades und damit für die Patienten ein hohes Maß an Sicherheit in der Therapieentscheidung.

Die Möglichkeiten der Rekonstruktion der Halsschlagader sind vielfältig. Für die Operationsplanung oder Planung eines interventionellen Eingriffes mit PTA und Stent ist eine weiterführende Bildgebung erforderlich. Hochmoderne Kernspin- und CT-Diagnostik sind im Hause rund um die Uhr verfügbar.
» Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin

Die Morphologie der Carotisstenose spielt eine große Rolle in der Therapieentscheidung. Exulzerierende Plaques stellen das größte Risiko für das Auftreten eines Apoplexes dar. Die Plaquemorphologie spielt eine entscheidende Rolle in der Entscheidung, ob die Carotisstenose interventionell, d. h. mit Ballon und Stent oder operativ angegangen werden soll. Diese Entscheidung wird bei uns nach Komplettierung der Diagnostik im Team zusammen mit dem Leiter des Angioradiologischen Instituts, Dr. Longwitz besprochen und entschieden.

Die Angst vor einem Schlaganfall mit seinen Folgen führt bei Patienten mit der Diagnose Carotisstenose zu einer erheblichen psychischen Belastung. Die Vielzahl an notwendigen Untersuchungen und Hinzuziehung von Kollegen aus anderen Fachbereichen wird daher von uns koordiniert, so dass, wenn gewünscht, eine Kontaktperson aus unseren Teams Sie berät und den Informationsfluss zwischen den Fachabteilungen aufrecht erhält.

Wir haben ein großes Interesse daran, die traditionelle Trennung aus ambulanter Versorgung und Klinikversorgung so weit es geht aufzulockern und den Informationsfluss zwischen den Zuweisern und unserer Klinik zu verbessern. In vielen Fachbereichen ist Diagnostik und Therapie getrennt. Der Herzchirurg, der eine kardiale Bypassoperation durchführt, ist in den Diagnostikprozess und die Durchführung der Koronarangiographie nicht beteiligt. Dies wird klassischerweise durch den Kardiologen (Internisten) durchgeführt. Diese fachliche Trennung zwischen Diagnostik und Therapie, wie sie in vielen anderen Bereichen besteht, gibt es in der Gefäßchirurgie nicht. Von der Erstdiagnose einer Verengung der Halsschlagader über notwendige Kontrollen bis hin zur Therapieentscheidung und dann auch Durchführung der Therapie werden Sie in einem Fachbereich betreut.

Patienten, die sich einem Eingriff an der Halsschlagader unterziehen, werden bei uns im Normalfall am Tag vor der Operation stationär aufgenommen. Sie befinden sich auf einer rein gefäßchirurgischen Station und werden von einem Pflegeteam, welches langjährige Erfahrung mit diesem Krankheitsbild hat, betreut. Am Tag vor der Operation wird die Umfelddiagnostik komplettiert. Sämtliche Fachbereiche sind am Hause etabliert. Die Arteriosklerose als häufigste Ursache für die Verengung der Halsschlagader betrifft das gesamte Gefäßsystem. Bei einem Großteil der Patienten ist auch das Herzkranzsystem betroffen. Eine weitere Abklärung häufig auch im Vorfeld der Operation ist über die Kardiologische Abteilung möglich.

Nach der Operation verbleiben die Patienten in der Regel vier bis fünf Tage im Krankenhaus. Eine Entfernung des Nahtmaterials ist nicht notwendig, da wir ausschließlich intrakutane resorbierbare Nähte verwenden, welche zu einem schönen kosmetischen Ergebnis führen. Neben der direkten Kontaktaufnahme mit dem nachbehandelnden Arzt erhalten die Patienten am Entlassungstag den fertigen Arztbrief, so dass der Informationsfluss und damit die Versorgung der Patienten lückenlos möglich sind.

Die medikamentöse Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern (ASS, Plavix etc.) hat in den letzten Jahren an enormer Bedeutung gewonnen. Ein Großteil unserer Patienten, die sich einer Operation unterziehen müssen, wird mit diesen Medikamenten behandelt. Für jeden dieser Patienten wird in Absprache mit den anderen Fachabteilungen das individuelle Risiko besprochen. In Einzelfällen ist auch die Operation unter der dualen Thrombozytenaggregationshemmung möglich. Insbesondere bei Patienten, die mit einem Drugeluted-Stent (medikamentenbeschichtet) im Bereich der Herzkranzarterien therapiert worden sind, ist bei dringlicher Indikation zur Versorgung der Halsschlagader eine Operation ohne Absetzen der Thrombozytenaggregationshemmer möglich.

Erkrankungen des Aortenbogens mit Stenosen sind heute eine Domäne der interventionellen Radiologie, so dass hier die meisten Stenosen und sogar Verschlüsse mit einer Ballon-Dilatation und einem Stent versorgt werden können. Um eine hohe Patientensicherheit zu gewährleisten, muss auch ein entsprechendes Komplikationsmanagement vorliegen. So sind bei uns Eingriffe am Aortenbogen bei Eröffnung des Thorax möglich. Darüber hinaus bieten wir auch elektiv bei Versagen der interventionellen radiologischen Therapie Bypässe von der Aorta ascendens zur Arteria subclavia oder Carotis an.

Weitere Informationen

» Patienteninformation: Schlaganfall / Carotisstenose